IHS Diagnose ICD-10
6 KOPFSCHMERZ ZURÜCKZUFÜHREN AUF GEFÄßSTÖRUNGEN IM BEREICH DES KOPFES ODER DES HALSES G44.81  

Allgemeiner Kommentar

Primärer und/oder sekundärer Kopfschmerz?

Tritt ein neuer Kopfschmerz erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer vaskulären Störung auf, sollte der Kopfschmerz als Kopfschmerz zurückzuführen auf eine vaskuläre Störung kodiert werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Kopfschmerz das klinische Bild einer Migräne, eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp oder eines Clusterkopfschmerzes aufweist. Wenn sich ein vorbestehender primärer Kopfschmerz in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer vaskulären Störung verschlechtert, ergeben sich zwei Möglichkeiten, die ein Abwägen erfordern. Der Patient kann entweder ausschließlich die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes erhalten oder aber die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes und eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Gefäßstörung. Letzteres Vorgehen empfiehlt sich bei Vorliegen folgender Punkte: Es besteht ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zur vaskulären Störung; die primären Kopfschmerzen haben sich deutlich verschlechtert; es bestehen sehr gute Hinweise, dass die betreffende Gefäßstörung Kopfschmerzen verschlimmern kann und es kommt zum Verschwinden des Kopfschmerzes nach der Akutphase der Gefäßstörung.

Definitiv, wahrscheinlich oder chronisch?

In der Regel ist die Diagnose eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Gefäßstörung nur definitiv, wenn der Kopfschmerz innerhalb einer spezifizierten Zeit nach dem Auftreten oder nach der Akutphase der Erkrankung verschwindet oder sich zumindest deutlich bessert. Ist dies nicht der Fall oder bevor die spezifizierte Dauer verstrichen ist, sollte im Regelfall die Diagnose eines Kopfschmerzes wahrscheinlich zurückzuführen auf eine Gefäßstörung gewählt werden.

Ist der Kopfschmerz nach 3 Monaten nicht verschwunden oder hat sich nicht zumindest deutlich verbessert, kann alternativ auch die nur im Anhang aufgeführte Diagnose eines A6.8 chronischen Kopfschmerzes nach Gefäßstörung gewählt werden. Derartige Kopfschmerzen sind nur schlecht dokumentiert und weitere Forschung ist erforderlich, um bessere Kriterien für den Kausalzusammenhang zu erarbeiten.

Einleitung

In der Regel lässt sich ein kausaler Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und den aufgeführten Gefäßstörungen leicht herstellen, da die Kopfschmerzen akut auftreten, mit anderen neurologischen Symptomen verbunden sind und häufig schnell remittieren. Der Nachweis des engen zeitlichen Zusammenhanges zwischen Auftreten der Kopfschmerzen und diesen neurologischen Symptome ist dabei entscheidend, um den Kausalzusammenhang zu ermitteln.

Bei vielen dieser Störungen, z.B. beim ischämischen bzw. hämorrhagischen Infarkt werden die Kopfschmerzen durch fokal-neurologische Symptome und/oder Bewusstseinstörungen überschattet. Bei anderen Störungen stehen die Kopfschmerzen ganz im Vordergrund, wie z.B. bei der Subarachnoidalblutung. Bei einigen Erkrankungen, die sowohl Kopfschmerzen als auch einen Hirninfarkt hervorrufen können, z.B. bei einer Gefäßdissektion, einer Hirnvenenthrombose, einer Riesenzellarteriitis oder anderen Angiitiden des ZNS sind Kopfschmerzen oft ein initiales Warnsymptom. Es ist hier von entscheidender Bedeutung, den Zusammenhang zwischen den Kopfschmerzen und der zugrundeliegenden Störung zu erkennen, um die richtige Diagnose stellen und die entsprechende Therapie schnellstmöglich einleiten zu können, um potentiell verheerende neurologische Komplikationen zu verhindern.

Diese Gefäßstörungen können auch bei Patienten auftreten, die bereits unter einem primären Kopfschmerz gelitten haben. Ein entscheidender Hinweis auf eine vaskuläre Genese von Kopfschmerzen ist hier der in der Regel plötzliche Beginn eines neuen Kopfschmerztyps, wie er dem Patienten bislang unbekannt war. In diesen Fällen sollte immer nach vaskulären Ursachen der Kopfschmerzen gefahndet werden.

Die diagnostischen Kriterien der aufgeführten Gefäßstörungen enthalten immer dann, wenn möglich folgende Punkt:

  1. Kopfschmerz, der wenigstens eines (oder mehr) der nachfolgenden Charakteristika (wenn bekannt) aufweist und die Kriterien C und D erfüllt
  2. Diagnostische Leitkriterien der vaskulären Störung
  3. Der Kopfschmerz tritt in enger zeitlicher Beziehung zu der vaskulären Störung auf und/oder es besteht eine andere Evidenz für einen kausalen Zusammenhang
  4. Der Kopfschmerz wird deutlich abgeschwächt oder verschwindet innerhalb eines spezifizierten Zeitraumes1 nach Auftreten oder Remission oder nach der Akutphase der vaskulären Störung

Anmerkung:

  1. Bei einigen Kopfschmerzen zurückzuführen auf eine Gefäßstörung wird das Kriterium D nicht aufgeführt, da die Datenlage nicht ausreicht, ein genaues Zeitlimit für das Verschwinden oder die Besserung der Kopfschmerzen anzugeben.

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