IHSDiagnoseICD-10
8KOPFSCHMERZ ZURÜCKZUFÜHREN AUF EINE SUBSTANZ ODER DEREN ENTZUG G44.4 oder G44.83  
An anderer Stelle kodiert 7.1.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine sekundäre Liquordrucksteigerung metabolischer, toxischer oder hormoneller Genese , 7.3.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine aseptische (nichtinfektiöse) Meningitis , 10.3.6 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen akuten Blutdruckanstieg durch eine exogene Substanz .

Allgemeiner Kommentar

Primärer und/oder sekundärer Kopfschmerz?

Tritt ein neuer Kopfschmerz erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer Substanzexposition auf, sollte der Kopfschmerz als Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Substanz kodiert werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Kopfschmerz das klinische Bild einer Migräne, eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp oder eines Clusterkopfschmerzes aufweist. Wenn sich aber ein vorbestehender primärer Kopfschmerz in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer Substanzexposition verschlechtert, ergeben sich zwei Möglichkeiten, die ein Abwägen erfordern. Der Patient kann entweder ausschließlich die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes erhalten oder aber die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes und eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Substanz. Letzteres Vorgehen empfiehlt sich bei Vorliegen folgender Punkte: Es besteht ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zur Substanzexposition; die primären Kopfschmerzen haben sich deutlich verschlechtert; es bestehen sehr gute Hinweise, dass die betreffende Substanz Kopfschmerzen verschlimmern kann und es kommt zur Besserung oder zum Verschwinden des Kopfschmerzes nach Ende der Substanzexposition.

Definitiv, wahrscheinlich oder chronisch?

In den meisten Fällen ist die Diagnose eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Substanz nur endgültig, wenn der Kopfschmerz nach Ende der Substanzexposition verschwindet oder sich zumindest deutlich bessert. Wird die Substanzexposition beendet, ohne dass der Kopfschmerz innerhalb von 3 Monaten verschwindet oder sich zumindest deutlich verbessert, kann die Diagnose eines A8.5 chronischen Kopfschmerzes nach Substanzexposition in Erwägung gezogen werden, wie sie im Anhang aufgeführt ist. Derartige Kopfschmerzen sind jedoch noch nicht dokumentiert und die Kriterien nur für Forschungszwecke vorgeschlagen.

Im besonderen Fall des 8.2 Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch ist eine Frist von zwei Monaten vorgegeben, in welcher nach Ende des Medikamentenübergebrauchs eine Besserung eingetreten sein muss, um die Diagnose endgültig zu bestätigen. Vor Ende des Medikamentenübergebrauchs oder während der zwei Monate nach dem Ende des Übergebrauchs sollte die Diagnose 8.2.7 wahrscheinlicher Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch angewandt werden. Sollte innerhalb von zwei Monaten dann keine Besserung eingetreten sein, muss diese Diagnose fallengelassen werden.

Einleitung

Migränepatienten sprechen physiologischer und vielleicht auch psychologischer Weise übermäßig auf eine Vielzahl externer und äußerer Reize an. Alkohol, Nahrungsmittel und Nahrungszusatzstoffe, Einnahme wie Entzug von Medikamenten und Chemikalien können Berichten zu Folge bei empfänglichen Personen Migräne auslösen oder aktivieren. Die angenommene Beziehung basiert dabei häufig auf Einzellfallschilderungen oder Berichten über Medikamentennebenwirkungen.

Die Tatsache, dass diese Reize mit Kopfschmerzen verbunden sind, beweist nicht ihre Kausalität und entbindet nicht von der Notwendigkeit, nach anderen Ursachen zu suchen. Da häufige Ereignisse eben häufig sind, kann das Zusammentreffen von Kopfschmerzen und einer Substanzexposition reiner Zufall sein. Kopfschmerzen können jederzeit zufällig auftreten. Kopfschmerzen können Symptom einer systemischen Erkrankung sein und Medikamente, die zu deren Behandlung eingesetzt werden, werden häufig fälschlicherweise mit den Kopfschmerzen in Verbindung gebracht. In den Migräneakutmedikationsstudien wurden Kopfschmerzen genauso wie andere Begleitsymptome als unerwünschte Ereignisse aufgeführt, trotz der Tatsache, dass es sich um Symptome der untersuchten Erkrankung und nicht eine Folge der Medikamente handelte. Einige Erkrankungen scheinen zum Auftreten von substanzinduzierten Kopfschmerzen zu prädisponieren. Für sich allein genommen, würde weder die Substanz noch die Erkrankung Kopfschmerzen hervorrufen. Nichtsteroidale Antiphlogistika können bei empfänglichen Personen Kopfschmerzen in Form einer aseptischen Meningitis verursachen.

Schließlich konnte eine akute oder chronische Exposition von bestimmten Substanzen in einen ursächlichen Zusammenhang mit Kopfschmerzen gebracht werden.

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