IHSDiagnoseICD-10
9KOPFSCHMERZ ZURÜCKZUFÜHREN AUF EINE INFEKTION  
An anderer Stelle kodiert Kopfschmerzen zurückzuführen auf extrakraniale Infektionen des Kopfes z.B. der Ohren, Augen oder Nasennebenhöhlen werden als Unterformen von 11 Kopf- oder Gesichtsschmerz zurückzuführen auf Erkrankungen des Schädels sowie von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nebenhöhlen, Zähnen, Mund oder anderen Gesichts- oder Schädelstrukturen kodiert.

Allgemeiner Kommentar

Primärer und/oder sekundärer Kopfschmerz?

Tritt ein neuer Kopfschmerz erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer Infektion auf, sollte der Kopfschmerz als Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Infektion kodiert werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Kopfschmerz das klinische Bild einer Migräne, eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp oder eines Clusterkopfschmerzes aufweist. Wenn sich aber ein vorbestehender primärer Kopfschmerz in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer Infektion verschlechtert, ergeben sich zwei Möglichkeiten, die ein Abwägen erfordern. Der Patient kann entweder ausschließlich die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes erhalten oder aber die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes und eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Infektion. Letzteres Vorgehen empfiehlt sich bei Vorliegen folgender Punkte: Es besteht ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zur Infektion; die primären Kopfschmerzen haben sich deutlich verschlechtert; es bestehen sehr gute Hinweise, dass die Infektion Kopfschmerzen verschlimmern kann und es kommt zur Besserung oder zum Verschwinden des Kopfschmerzes nach Ende der Infektion.

Definitiv, wahrscheinlich oder chronisch?

In den meisten Fällen ist die Diagnose eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Infektion nur endgültig, wenn der Kopfschmerz nach effektiver Behandlung der Infektion oder einer Spontanremission verschwindet oder sich zumindest deutlich bessert. Wenn die Infektion nicht effektiv behandelt werden kann und sie auch keine Spontanremission aufweist oder wenn noch keine ausreichende Zeit hierfür verstrichen ist, sollte im Normalfall die Diagnose eines Kopfschmerzes wahrscheinlich zurückzuführen auf eine Infektion gewählt werden.

Dies ist jedoch nicht der Fall für 9.1.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine bakterielle Meningitis. Es ist anerkannt, dass ein solcher Kopfschmerz chronifizieren kann. Wenn die Infektion effektiv behandelt wurde oder spontan remittiert, der Kopfschmerz aber nicht innerhalb von 3 Monaten verschwindet oder sich nicht zumindest deutlich verbessert, ändert sich hier die Diagnose zu 9.4.1 chronischer Kopfschmerz nach bakterieller Meningitis.

In anderen Fällen, wenn die Infektion beseitigt wurde, der Kopfschmerz aber nicht innerhalb von 3 Monaten verschwindet oder sich nicht zumindest deutlich verbessert, kann die Diagnose eines A9.4.2 chronischen postinfektiösen Kopfschmerzes in Erwägung gezogen werden. Diese bisher nur schlecht dokumentierte Diagnose ist lediglich im Anhang beschrieben. Hier ist weitere Forschung erforderlich, um bessere Kriterien zum Nachweis eines kausalen Zusammenhanges zu etablieren.

Einleitung

Kopfschmerzen sind ein häufiges Begleitsymptom von systemischen viralen Infektionen wie der Influenza. Sie sind auch häufig bei einer Sepsis. Bei anderen systemischen Infektionen findet man sie jedoch seltener.

Kopfschmerzen sind das häufigste und meist auch erste Symptom einer intrakranialen Infektion. Das Auftreten eines neuen Kopfschmerztyps, der diffus lokalisiert ist, einen pulsierenden Charakter aufweist und mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl und/oder Fieber einhergeht, sollte auch bei fehlendem Meningismus an eine intrakraniale Infektion denken lassen. Bedauerlicherweise existieren keine guten prospektiven Studien zum Kopfschmerz zurückzuführen auf eine intrakraniale Infektion und präzise diagnostische Kriterien konnten nicht für alle Unterformen ermittelt werden.

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