IHSDiagnoseICD-10
10KOPFSCHMERZ ZURÜCKZUFÜHREN AUF EINE STÖRUNG DER HOMÖOSTASE G44.882  
An anderer Stelle kodiert 7.1.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine sekundäre Liquordrucksteigerung metabolischer, toxischer oder hormoneller Genese.

Allgemeiner Kommentar

Primärer und/oder sekundärer Kopfschmerz?

Tritt ein neuer Kopfschmerz erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang zu einer Störung der Homöostase auf, sollte der Kopfschmerz als Kopfschmerz zurückzuführen auf diese Störung kodiert werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Kopfschmerz das klinische Bild einer Migräne, eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp oder eines Clusterkopfschmerzes aufweist. Wenn sich aber ein vorbestehender primärer Kopfschmerz in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer Störung der Homöostase verschlechtert, ergeben sich zwei Möglichkeiten, die ein Abwägen erfordern. Der Patient kann entweder ausschließlich die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes erhalten oder aber die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes und eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Störung der Homöostase. Letzteres Vorgehen empfiehlt sich bei Vorliegen folgender Punkte: Es besteht ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zur Störung der Homöostase; die primären Kopfschmerzen haben sich deutlich verschlechtert; es bestehen sehr gute Hinweise, dass die Störung der Homöostase Kopfschmerzen verschlimmern kann und es kommt zur Besserung oder zum Verschwinden des Kopfschmerzes nach Ende der Störung der Homöostase.

Definitiv, wahrscheinlich oder chronisch?

In den meisten Fällen ist die Diagnose eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Störung der Homöostase nur endgültig, wenn der Kopfschmerz nach effektiver Behandlung oder einer Spontanremission der Störung der Homöostase verschwindet oder sich zumindest deutlich bessert. Wenn die Störung der Homöostase nicht effektiv behandelt werden kann und sie auch keine Spontanremission aufweist oder wenn noch keine ausreichende Zeit hierfür verstrichen ist, sollte im Normalfall die Diagnose eines Kopfschmerzes wahrscheinlich zurückzuführen auf eine Störung der Homöostase gewählt werden.

Wenn die Störung der Homöostase effektiv behandelt wurde oder spontan remittiert, der Kopfschmerz aber nicht innerhalb von 3 Monaten verschwindet oder sich nicht zumindest deutlich verbessert, kann alternativ die im Anhang aufgeführte Diagnose eines A 10.8 chronischen Kopfschmerzes nach Störung der Homöostase gewählt werden. Derartige Kopfschmerzen sind jedoch nur schlecht dokumentiert. Hier ist weitere Forschung erforderlich, um bessere Kriterien zum Nachweis eines kausalen Zusammenhanges zu etablieren.

In anderen Fällen, wenn die Infektion beseitigt wurde, der Kopfschmerz aber nicht innerhalb von 3 Monaten verschwindet oder sich nicht zumindest deutlich verbessert, kann die Diagnose eines A9.4.2 chronischen postinfektiösen Kopfschmerzes in Erwägung gezogen werden. Diese bisher nur schlecht dokumentierte Diagnose ist lediglich im Anhang beschrieben. Hier ist weitere Forschung erforderlich, um bessere Kriterien zum Nachweis eines kausalen Zusammenhanges zu etablieren.

Einleitung

Die hier beschriebenen Kopfschmerzformen wurden früher als Kopfschmerzen in Verbindung mit metabolischen oder systemischen Erkrankungen bezeichnet. Die Bezeichnung Kopfschmerz zurückzuführen auf Störungen der Homöostase dürfte die wahre Natur der vorgestellten Kopfschmerzen jedoch treffender beschreiben. Kopfschmerzen zurückzuführen auf eine signifikante Störung des arteriellen Blutdruckes bzw. auf eine myokardiale Ischämie wurden in dieses Kapitel neu aufgenommen. Zusätzlich werden Störungen von Mechanismen der Homöostase verschiedenster Systeme einschließlich veränderter arterieller Blutgase, Volumenstörungen wie bei der Dialyse und endokrine Funktionsstörungen abgedeckt. Auch Kopfschmerzen zurückzuführen auf Fasten werden hier beschrieben.

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