IHSDiagnoseICD-10
11KOPF- ODER GESICHTSSCHMERZ ZURÜCKZUFÜHREN AUF ERKRANKUNGEN DES SCHÄDELS SOWIE VON HALS, AUGEN, OHREN, NASE, NEBENHÖHLEN, ZÄHNEN, MUND ODER ANDEREN GESICHTS- ODER SCHÄDELSTRUKTUREN G44.84  
An anderer Stelle kodiert Kopfschmerzen nach einem Kopf- oder HWS-Trauma werden unter 5. Kopfschmerz zurückzuführen auf ein Kopf- und/oder HWS-Trauma klassifiziert, neuralgiforme Kopfschmerzen finden sich unter 13. kraniale Neuralgien und zentrale Ursachen von Gesichtsschmerzen .

Allgemeiner Kommentar

Primärer und/oder sekundärer Kopfschmerz?

Tritt ein neuer Kopfschmerz erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang zu einer kraniozervikalen Störung auf, sollte der Kopfschmerz als Kopfschmerz zurückzuführen auf eine kraniozervikale Störung kodiert werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Kopfschmerz das klinische Bild einer Migräne, eines Kopfschmerzes vom Spannungstyp oder eines Clusterkopfschmerzes aufweist. Wenn sich aber ein vorbestehender primärer Kopfschmerz in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer kraniozervikalen Störung verschlechtert, ergeben sich zwei Möglichkeiten, die ein Abwägen erfordern. Der Patient kann entweder ausschließlich die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes erhalten oder aber die Diagnose des vorbestehenden primären Kopfschmerzes und eines Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine kraniozervikale Störung. Letzteres Vorgehen empfiehlt sich bei Vorliegen folgender Punkte: Es besteht ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zur kraniozervikalen Störung; die primären Kopfschmerzen haben sich deutlich verschlechtert; es bestehen sehr gute Hinweise, dass die kraniozervikale Störung den primären Kopfschmerz verschlimmern kann und es kommt zur Besserung oder zum Verschwinden des Kopfschmerzes nach Ende der kraniozervikalen Störung.

Definitiv, wahrscheinlich oder chronisch?

In den meisten Fällen ist die Diagnose eines Kopf- oder Gesichtsschmerzes zurückzuführen auf Erkrankungen des Schädels sowie von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nebenhöhlen, Zähnen, Mund oder anderen Gesichts- oder Schädelstrukturen nur endgültig, wenn der Kopfschmerz nach effektiver Behandlung oder einer Spontanremission der kraniozervikalen Störung verschwindet oder sich zumindest deutlich bessert. Wenn die kraniozervikale Störung nicht effektiv behandelt werden kann und sie auch keine Spontanremission aufweist oder wenn noch keine ausreichende Zeit hierfür verstrichen ist, sollte im Normalfall die Diagnose eines Kopfschmerzes wahrscheinlich zurückzuführen auf eine [bestimmte] kraniozervikale Störung gewählt werden.

Wenn die kraniozervikale Störung effektiv behandelt wurde oder spontan remittiert, der Kopfschmerz aber nicht innerhalb von einem Monat verschwindet oder sich nicht zumindest deutlich verbessert, dürfte der Kopfschmerz auf anderen Mechanismen beruhen. Nichtsdestotrotz wurde ein A11.9 chronischer Kopfschmerz nach kraniozervikaler Störung im Anhang beschrieben. Derartige Kopfschmerzen existieren, sind jedoch nur schlecht untersucht. Ziel des Anhanges ist es, die Erforschung dieser Kopfschmerzen und ihrer Mechanismen weiter voranzutreiben.

Einleitung

Erkrankungen der Wirbelsäule und anderer Strukturen des Halses und des Kopfes wurden nicht selten als die häufigste Ursache von Kopfschmerzen überhaupt angesehen, da viele Kopfschmerzen ihren Ursprung in der Hals-, Nacken- oder Okzipitalregion haben oder dort lokalisiert sind. Darüber hinaus finden sich degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule bei praktisch jedem Übervierzigjährigen. Schmerzlokalisation und Röntgennachweis degenerativer Veränderungen machten es plausibel, die Halswirbelsäule als häufigste Kopfschmerzursache anzusehen. Umfangreiche kontrollierte Studien konnten jedoch zeigen, dass diese Veränderungen genauso häufig bei Menschen vorkommen, die gar nicht unter Kopfschmerzen leiden. Spondylose oder Osteochondrose können daher nicht als Ursache von Kopfschmerzen angesehen werden. Ähnliches gilt für andere weitverbreitete Erkrankungen wie chronische Sinusitiden, Kiefergelenkserkrankungen oder Brechungsfehler der Augen.

Ohne spezifische Kriterien könnten praktisch alle Kopfschmerzen in diesem Kapitel als Kopf- oder Gesichtsschmerz zurückzuführen auf Erkrankungen des Schädels sowie von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nebenhöhlen, Zähnen, Mund oder anderen Gesichts- oder Schädelstrukturen klassifiziert werden, ein Problem, das in der Vergangenheit existierte. Es reicht nicht aus, Kopfschmerzmanifestationen einfach aufzulisten, um sie zu definieren, da diese Manifestationen nicht einzigartig sind. Das Ziel, das mit diesem Kapitel verfolgt wurde, ist nicht, Kopfschmerzen in allen ihren Formen zu beschreiben, sondern vielmehr die spezifische ursächliche Beziehung zwischen Kopfschmerz und Erkrankungen des Schädels sowie von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nebenhöhlen, Zähnen, Mund oder anderen Gesichts- oder Schädelstrukturen herauszuarbeiten, wo sie existieren. Aus diesem Grunde war es notwendig, strikte spezifische operationalisierte Kriterien für den zervikogenen Kopfschmerz und andere Kopfschmerzursachen in diesem Kapitel festzulegen. Diagnostische Testverfahren, die unbestätigt sind oder deren Testqualität bisher nicht überprüft wurde, konnten nicht berücksichtigt werden. Stattdessen soll durch die überarbeiteten Kriterien dazu motiviert werden, zukünftig reliable und valide Testverfahren zu entwickeln, um das Ausmaß des ursächlichen Zusammenhanges zwischen Kopfschmerzen und einer kraniozervikalen Erkrankung zu bestimmen, was heute nur in sehr beschränktem Maße möglich ist.

Als Ursache von Kopfschmerzen erstmals aufgenommen wurden 11.2.3 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine kraniozervikale Dystonie und 11.3.4 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine entzündliche Erkrankung des Auges.

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