IHS Diagnose ICD-10
13.1.1 Klassische Trigeminusneuralgie [G50.00] G44.847  

Beschreibung:

Die Trigeminusneuralgie ist ein einseitiger Gesichtsschmerz, der durch kurze, stromstoßartige Schmerzattacken gekennzeichnet ist, die auf das Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Äste des N. trigeminus begrenzt sind. Der Schmerz wird gewöhnlich durch triviale Reize wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Sprechen und/oder Zähneputzen (Triggerfaktoren) ausgelöst, kann aber auch häufig spontan auftreten. Kleine Bereiche in der Nasolabialfalte und/oder am Kinn scheinen besonders anfällig für die Auslösung von Attacken zu sein (Triggerzonen). Der Schmerz remittiert üblicherweise über unterschiedlich lange Perioden hinweg.

Diagnostische Kriterien:

  1. Paroxysmale Schmerzattacken von Bruchteilen einer Sekunde bis zu 2 Minuten Dauer, die einen oder mehrere Äste des N. trigeminus betreffen und die Kriterien B und C erfüllen
  2. Der Schmerz weist wenigstens eines der folgenden Charakteristika auf:
    1. starke Intensität, scharf, oberflächlich, stechend
    2. ausgelöst über eine Triggerzone oder durch Triggerfaktoren
  3. Die Attacken folgen beim einzelnen Patienten einem stereotypen Muster
  4. Klinisch ist kein neurologisches Defizit nachweisbar
  5. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen

Kommentare:

Üblicherweise beginnt eine primäre Trigeminusneuralgie zuerst im Versorgungsbereich des 2. oder 3. Astes und betrifft dann die Wange oder das Kinn. In weniger als 5% der Fälle ist zunächst der 1.Ast betroffen. Der Schmerz wechselt niemals zur Gegenseite. Selten kann er aber bilateral auftreten. In diesen Fällen muss an eine mögliche zentrale Ursache, wie z.B. eine Multiple Sklerose gedacht werden. In der Regel besteht zwischen den Paroxysmen Beschwerdefreiheit; allerdings kann bei längeren Krankheitsverläufen ein dumpfer Hintergrundschmerz persistieren. Einer Schmerzattacke folgt gewöhnlich eine refraktäre Phase, in der keine Schmerzen ausgelöst werden können. In einigen Fällen lassen sich die Schmerzparoxysmen auch durch somatosensorische Reize außerhalb des Versorgungsbereiches des N. trigeminus wie einer Extremität auslösen oder durch andere Reize wie helles Licht, laute Geräusche oder einen intensiven Geschmack.

Häufig löst der Schmerz auf der betroffenen Seite Spasmen der Gesichtsmuskulatur aus (Tic douloureux).

Mit steigender Zahl operativer Explorationen der hinteren Schädelgrube und durch die zunehmend durchgeführte Bildgebung mittels MRT zeigte sich, dass bei vielen Patienten, wenn nicht sogar bei der Mehrzahl, eine Kompression der Trigeminuswurzel durch ein geschlängeltes oder aberrierendes Gefäß vorliegt.

Die klassische Trigeminusneuralgie spricht üblicherweise, zumindest aber initial auf eine Pharmakotherapie an.

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